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HOMEOFFICE AUF DEM VORMARSCH

Zum Für und Wider eines Modells

Ihr Lesefortschritt

Ihr Lese-fortschritt

In den letzten Jahren hat sich das Arbeitsmodell des Homeoffice zunehmend etabliert. Insbesondere seit der COVID-19-Pandemie haben viele Unternehmen erkannt, dass ihre Mitarbeiter sehr effektiv von zu Hause aus arbeiten können. In einem Interview mit dem Magazin „Berliner Wirtschaft“ merkt der Autor des Buches „Haltung entscheidet“, Martin Permantier an, dass es während dieser Zeit zu einem „Kulturwandel zum Positiven in den Chefetagen“ gekommen sei und Führungskräfte fast zwangsläufig auf Vertrauen statt auf Kontrolle setzen müssten. Doch wie steht es um die Vor- und Nachteile dieses Modells für alle Beteiligten?

Aus Sicht der Unternehmen bietet das Homeoffice eine Reihe von Vorteilen. Ein bedeutender Faktor ist die erhöhte Flexibilität. Durch die Möglichkeit, von überall aus zu arbeiten, ist man nicht mehr auf einen bestimmten Standort beschränkt. Dadurch können Firmen von einem größeren Pool an Talenten profitieren und auch Mitarbeiter aus entfernten Regionen einstellen, die ansonsten nicht zur Verfügung stünden. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für die Personalbeschaffung und trägt zur Vielfalt im Team bei.

Kostenreduzierung, Übersicht & Dynamik

Ein weiterer positiver Aspekt aus Sicht der Arbeitgeber ist die potenzielle Kostenersparnis. Durch das Homeoffice können Unternehmen ihre Bürofläche reduzieren oder sogar ganz aufgeben. Dies führt zu einer Verringerung der Miet- und Nebenkosten sowie zu Einsparungen bei der Büroausstattung. Zudem werden Ressourcen wie Strom und Wasser eingespart, was sich wiederum positiv auf die Unternehmensbilanz auswirken und Investitionen in andere Bereiche ermöglichen kann.
Eine Herausforderung für Arbeitgeber kann es sein, die Produktivität ihrer Mitarbeiter im Homeoffice zu überblicken. Die physische Distanz kann zu einem Gefühl der Entfremdung und zu Kommunikationsschwierigkeiten führen. Auch die Teamdynamik kann leiden, da der persönliche Austausch und das spontane Brainstorming erschwert werden.

Flexibilität & Work-Life-Balance

Für Arbeitnehmer bietet das Homeoffice einige Vorzüge. Die größte Attraktivität liegt sicherlich in der Flexibilität. Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit besser einteilen und beispielsweise Beruf und Familie leichter miteinander vereinbaren. Durch den Wegfall des Pendelns sparen sie zudem Zeit und Stress. Dies kann zu einer besseren Work-Life-Balance führen und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöhen.

Im Homeoffice haben Mitarbeiter zudem mehr Kontrolle über ihre Arbeitsumgebung. Sie können ihren Arbeitsplatz ergonomisch gestalten und Pausen flexibler einlegen. Dies kann dazu beitragen, physische Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen zu reduzieren. Zudem ermöglicht das Arbeiten von zu Hause aus Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder bestimmten gesundheitlichen Bedürfnissen eine berufliche Teilhabe.

Ruhiges Arbeitsumfeld contra Einsamkeit

Doch nicht jeder empfindet das Arbeiten in den eigenen vier Wänden als angenehm. Zwar haben Umfragen von Gewerkschaften und Verbänden ergeben, dass viele Arbeitnehmer zu Hause in Ruhe sehr viel produktiver arbeiten zu können. Für andere ist es jedoch durch die räumliche Trennung von Arbeitsplatz und Kollegen schwierig, den persönlichen Kontakt aufrechtzuerhalten. Die informellen Gespräche am Kaffeetisch oder die Möglichkeit, sich von Angesicht zu Angesicht auszutauschen, fallen im Homeoffice weg. Dies kann zu einem Gefühl der Isolation und Einsamkeit führen, was sich wiederum negativ auf die Motivation und das allgemeine Wohlbefinden auswirken kann. Im Büroumfeld können Arbeitnehmer ihre Arbeitsergebnisse direkt präsentieren und direktes Feedback von Vorgesetzten und Kollegen erhalten. Im Homeoffice hingegen kann die Anerkennung für gute Arbeit leicht übersehen oder verzögert werden. Ein Gefühl der Unsichtbarkeit mag sich breitmachen.

Selbstorganisation – das A und O im mobilem Arbeiten

Schließlich kann das Homeoffice auch zu einer erhöhten Verantwortung für die Selbstorganisation führen. Arbeitnehmer müssen ihre Arbeit selbstständig planen und strukturieren, ohne die übliche Bürostruktur und -routine. Dies erfordert eine hohe Selbstdisziplin und die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, was nicht ist jedem gegeben ist.

Arbeit und Freizeit – die Grenzen sind fließend

Ein weiterer Nachteil des Homeoffice kann die fehlende Abgrenzung von Arbeit und Privatleben sein. Wenn der Arbeitsplatz im eigenen Zuhause liegt, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit fließend. Arbeitnehmer haben möglicherweise Schwierigkeiten, sich abends oder am Wochenende von der Arbeit zu lösen, da der Arbeitsplatz immer präsent ist. Dies kann zu einer ständigen Erreichbarkeit und im schlimmsten Fall langfristig zu einer Überlastung und einem Burnout-Risiko führen.

Der Fluch der Technik, wenn „allein zu Haus“

Nicht jeder Arbeitnehmer verfügt zu Hause über die gleiche technische Ausstattung oder eine stabile Internetverbindung. Ineffiziente oder unzuverlässige Technologie kann die Produktivität beeinträchtigen und zu Verzögerungen führen. Die Abhängigkeit von digitalen Tools und die fehlende direkte IT-Unterstützung vor Ort können zu weiteren Schwierigkeiten führen. Hier sollte der Arbeitgeber unterstützend eingreifen und das nötige Equipment zur Verfügung stellen.

Arbeit zu Hause mit dem richtigen Angebot optimieren

Entscheidend ist letztlich das kluge Vorgehen der Verantwortlichen: Niemandem, der nicht möchte, sollte das Homeoffice „übergestülpt“ werden. Aber denjenigen, die es nutzen möchten, sollten dazu auch die Möglichkeit gegeben, wenn der Tätigkeitsbereich des Unternehmens es zulässt. Nach Abwägen von Für und Wider sollte die Entscheidung nicht schwerfallen. Aufhalten lässt sich das Modell nicht mehr.

Verfasst von: Ulrike Molitor

Cover: Adobe Stock / pikselstock
Foto: Envato / halfpoint

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